Wie Sabine zur Farbe kam und sich zugestand ihre Bilder in einer einfachen Linie darzustellen

Sabine ist eine erfolgreiche Fotografin und schon jahrzehntelang im Geschäft. Sie war schon in London und München und hat die ganz Großen kennengelernt und mit ihnen gearbeitet. Sabine ist eine Frau Mitte 50 blond attraktiv mit strahlend blauen Augen, die gerne Geschichten erzählt und kocht.

 

Ich wollte mich auf die Malerei einlassen ohne ständiges perfektionistisches Korrektiv

Als sie sich zur Teilnahme bei Better by Art entschließt, möchte sie Ruhe in ihr perfektionistisches gedankliches Korrektiv bringen und sich davon befreien.

Das Fotostudio von Sabine ist in einem strahlenden Weiß gehalten, sogar der Boden reflektiert das Licht, das von allen Seiten in den Raum scheint. Alles hat seinen Platz, keine Farbe lenkt ab. Sie selbst kleidet sich am Liebsten in schlichtes Schwarz, gerade Schnitte und Formen. Zeitlos elegant.

 

Better by Art soll Sabine dabei helfen „aus dem Kopf“ zu kommen.

Als es darum geht welches Malmaterial benötigt wird entscheidet sich Sabine anders, als die anderen TeilnehmerInnen, die zur Farbe greifen ein Set verschieden dicker Kohlestifte zu kaufen.

Es ist Dienstag abend 19:15 Uhr. Die Better by Art „Silver“ Gruppe trifft sich online über Zoom. An diesem Abend soll es um das Selbstbild gehen. Nachdem sich die TeilnehmerInnen freuen die Gruppe wiederzusehen und kurz ausgetauscht haben, geht es los. Es wird ruhig, alle sind gespannt auf das Thema.

Vorgestellt wird die Lehre von Prof. Dr. Dweck zum „fixed and growth mindset“, der Entwicklungs- und Motivationspsychologin, die auch an der Universität Stanford lehrt.

 

Die Lehre vom Fixed and Growth Mindset

Nach der Lehre von Prof. Dweck gibt es 2 verschiedene Formen des Selbstbildes, das „Statische Selbstbild“ und das „Dynamische Selbstbild“.

Das „Statische Ich“

  • denkt „der hat Talent, der muss nichts dafür tun – hat der es gut“
  • versucht keinen Anlass für Kritik zu geben, da es Kritik als einen Makel empfindet
  • sieht Fehler als ein Signal, dass es etwas nicht kann und deswegen lassen sollte, „ich habe es ja schon immer gewusst“

Das „Dynamische Ich“

  • denkt „es ist mir vielleicht nicht in die Wiege gelegt, aber wenn ich mich genügend anstrenge werde ich es schaffen“ (die Geschichte von Wilma Rudolph)
  • ist offen und dankbar für Kritik von außen und sieht sich dadurch nicht in Frage gestellt
  • sieht Fehler als eine Möglichkeit daraus zu lernen, nach zu justieren und besser zu werden

 

Wie fühlen sich die verschiedenen Selbstbilder an?

Die Aufgabe der TeilnehmerInnen ist es nun die beiden Betrachtungsweisen kennen zu lernen und auf sich wirken zu lassen. Wie fühlt sich das „Statische Ich“ an, wie fühlt sich das „Dynamische Ich“ an und wie kann ich dem jeweiligen Ich Ausdruck verleihen. Wieder wird es ganz still und man hört die Stifte über das Papier wandern.

Für Sabine ist der Wechsel der Darstellung vom „Dynamischen Ich“ zum „Statischen Ich“ ein nach Hause kommen, es fühlt sich bekannt und vertraut an. Andere TeilnehmerInnen beklagen ein Gefühl von Eingesperrt oder Limitiert sein und einen regelrechten Widerwillen dem „Statischen Ich“ überhaupt Raum zu geben und sei es nur malerisch. Die Gruppe ist zweitgeteilt. Erlösung finden alle in der Malübung, die die Brücke zwischen den beiden „Ichs“ schafft. Ein Aufatmen geht durch den virtuellen Raum.

 

Das Statische Ich identifizieren und es benennen

Die Aufgabe der TeilnehmerInnen, die sie im Anschluss an den Kurs in Eigenarbeit machen, ist intensiv. Es geht darum den „statischen Anteilen des eigenen Selbstbildes“ auf die Schliche zu kommen und sich nicht dafür zu verurteilen.

Das „statische Selbstbild“ bekommt einen Namen und einen Platz in der eigenen Betrachtung, darf aber ab jetzt die eigenen Gedanken nicht mehr dominieren.

 

Der große Augenblick

Und dann ist er da der große Augenblick: Sabine malt ihr WACHSTUMSBILD frei von jeglichen Selbstbeschränkungen, das BILD, das sie schon immer malen wollte.

Der Strich, den sie zeichnet ist wie eine Explosion des Lebens und der Freiheit, schön, klar, dynamisch, kraftvoll und ausdrucksstark. Dabei minimalistisch und farbreduziert.  Sie selbst ertappt sich kurz darauf schon wieder bei der Bewertung und empfindet das Ergebnis ihres Tuns, die schlichte breite geschwungene Linie und deren „Reduziertheit“ als anmaßend. Im nächsten Moment gelingt es ihr jedoch den Gedanken abzuschütteln.

 

Es ist mir jetzt egal, was andere darüber denken

„Ich bin zu der Erkenntnis gekommen, dass es mir jetzt „völlig egal ist was andere darüber denken“. Ich bin voller Freude, ja das bin ich. Ich habe jetzt den Mut zu der „Reduziertheit“ meines Bildes zu stehen.

 

So viele neue Möglichkeiten

Sabine hat sich von Ihrer Vorstellung befreit, dass ein „gutes Bild“ farbig sein muss. Der Hebel ist plötzlich umgelegt,

„jetzt kann ich meine Gedichte, und deren Tiefe mit meinen Zeichnungen begleiten und ihnen eine noch schönere Form geben“.

Sie ist ganz in sich gekehrt.

„Ich bin so dankbar bei Better by Art mit zu machen, die Malübungen und die Gruppe sind ein großer Gewinn. Ich freue mich auf alles was noch kommt“ sagt sie.

Beiläufig erzählt sie, dass sie sich jetzt bunte Acrylfarben gekauft hat und schmunzelt. Jetzt wo sie weiß, dass das Bild nicht farbig sein muss, um stark und kunstvoll zu sein, erlaubt sie sich auch farbig zu malen.