Wie Martina der Perspektivwechsel gelang und sie sich von der Vorstellung befreite von jedem gemocht zu werden

 

Martina ist Leiterin der Finanzbuchhaltung & Steuern in einem international ausgerichteten Anlagenbauunternehmen. Sie ist Ende 40 und trägt Verantwortung für ein Team von 15 Mitarbeitern und Mitarbeiterinnen. Zahlen Daten Fakten bestimmen ihren Alltag. Sie ist gewissenhaft und ernsthaft mit Lockenkopf und Brille. Nur Wenige kennen ihre verspielte und humorvolle Seite.

Die klassische Rollenteilung mal andersherum

Martina ist spät noch Mutter von Zwillingen geworden. Sie zeigt, dass die klassische Rollenteilung auch andersherum funktioniert. Ihr Mann kümmert sich um die beiden kleinen sehr lebhaften Jungs, die ihr wie aus dem Gesicht geschnitten sind mit ihren kleinen Brillen.

Sehnsucht nach gedanklichem Freiraum

Als Martina sich für Better by Art entscheidet geht es ihr darum sich mehr „gedanklichen Freiraum“ zu verschaffen. Sie liebt ihre Arbeit, sie arbeitet viel. Sie möchte für sich klären, ob sie die Weichen in Hinblick auf die kommenden 20 Jahre, die sie noch arbeiten wird, nochmal anpassen möchte.

Ich habe mich frei gemalt

Die Auseinandersetzung mit der Lehre vom fixed and growth mindset von Prof. Dr. Carol Dweck, Entwicklungs- und Motivationspsychologin, die in Stanford unterrichtet (ausführlich in der Geschichte von Sabine beschrieben) und den statischen Anteilen ihres eigenen Selbstbildes hat Martina sehr geholfen. Sie ist ihrem statischen ICH auf die Schliche gekommen. Sie hat ihm einen Namen gegeben und kann es nun jederzeit identifizieren. Sie lässt sich nicht mehr davon bestimmen und setzt sich lächelnd mit diesem Anteil ihrer Persönlichkeit, immer wenn er sich zu Wort meldet, auseinander. Martina hat nachdem sie ihr statisches ICH identifiziert hat, gleich mehrere Wachstumsbilder gemalt.

„Ich habe mich regelrecht frei gemalt“, sagt sie.

Raus aus der Komfortzone

Es ist der erste Dienstag im April um 19 Uhr, die Better by Art „Silver“ Gruppe hat sich online versammelt und das Gespräch ist in vollem Gange, die Stimmung ist gut. Heute geht es um das Thema Selbstbegrenzung – Raus aus der Komfortzone. Schnell wird es ruhig im virtuellen Raum.

Die Ausreden

  1. Das kann ich nicht
  2. Dafür bin ich zu alt
  3. Dafür habe ich keine Zeit
  4. Ich habe eine Familie zu ernähren
  5. Das klappt sowieso nicht
  6. Was sollen denn die anderen sagen

sagen wir gerne,

wenn wir mit Veränderungen konfrontiert sind, um uns dafür zu entschuldigen oder zu rechtfertigen, dass wir etwas nicht ändern wollen oder können.

Aber warum tun wir das eigentlich?

Weil wir uns komfortabel in einer Situation eingerichtet haben, auch wenn sie immer unkomfortabler wird.

 

Wenn der Leidensdruck nur groß genug ist, dann ändere ich schon was

Der Leidensdruck ist nicht groß genug, sonst würden wir ja etwas ändern. Stimmt das eigentlich?

So manch einer wird auf halber Strecke krank, ohne etwas geändert zu haben. Da war der Leidensdruck offenkundig groß, aber die Angst vor Veränderung noch größer.

Wir lesen Bücher über Veränderung. Wenn es dann zum Schwur kommt, verhalten wir uns wie immer, unbewusst und automatisiert. Unser Verhalten, unsere Handlungsabläufe kennen wir, das Verhalten ist uns vertraut und deswegen fühlen wir uns dort sicher.

Neue Reaktionen sind noch nicht erprobt und müssen sich erst bewähren

Der proof of concept für ein „anderes Verhalten, eine andere Reaktionsmöglichkeit“ ist noch nicht erbracht. Diesen zu erbringen bedeutet erst mal durch eine Phase der Unsicherheit zu gehen, bis das neue Verhalten sitzt und wir darauf vertrauen.

Und weil wir schon so häufig gescheitert sind beim Versuch etwas zu verändern, fangen wir an uns den Sollzustand zu wünschen, zu visualisieren, zu meditieren

„ich stelle mir meinen Erfolg vor und wünsche mir erfolgreich zu sein, wie sehe ich aus, wie schmeckt es“

„ich stelle mir vor schlanker zu sein“

Wenn es beim Wünschen bleibt

Gedanken schaffen Realitäten, ja aber in der Regel bleibt es dann beim Wunsch, der das Gewissen beruhigt und das Gedankenkarussell erst mal stoppt. Ändern tut sich in den aller wenigsten Fällen etwas.

Der Schlüssel zum Erfolg, Hindernisse identifizieren

Nur wenn ich weiß was mich hindert, wenn ich weiß warum ich ritualisiert nach Feierabend nach Süßigkeiten oder zum Glas Wein greife z.B. als Belohnung für einen Arbeitstag, kann ich mich auch bewusst entscheiden die Belohnung durch etwas anderes zu ersetzen oder mir bewusst zu machen, dass beides gesundheitlich keine Belohnung, sondern für den Körper eher eine Bestrafung ist abhängig von der Menge und Inhalt.

Male Dein Gesicht ohne es anzusehen, indem Du es ertastest

Die TeilnehmerInnen sind jetzt hellwach. Die sich anschließende MalÜbung lässt keinen Raum für Komfortzone. Es macht sich kurz Unbehagen breit.

Martinas Aufgabe ist es ihr Gesicht zu portraitieren ohne sich dabei anzusehen. Mit der einen Hand wird gefühlt, mit der anderen Hand wird gezeichnet. Gar nicht so leicht. Und was, wenn das Bild gar nicht dem entspricht, wie ich eigentlich aussehe? Martina fährt sich durch das Gesicht, tastet, erfasst die Proportionen, die Berge und Täler ihres Gesichts, vergewissert sich, versucht mit der Hand zu verstehen. Mit der anderen Hand entstehen Spuren auf dem Blatt, es wächst, ein Gesicht entsteht, ihr Gesicht entsteht.

Ich muss nicht perfekt sein, mein Bild muss es auch nicht

Zufrieden legt Martina den Stift weg und betrachtet das Bild. Das entstandene Bild ist nicht perfekt, aber es gefällt ihr und kommt auch gut an. Alle TeilnehmerInnen sitzen im gleichen Boot. Das Unbehagen legt sich, Ruhe senkt sich.

„Ich muss nicht perfekt sein, mein Bild muss es auch nicht“ sagt Martina und freut sich.

Die Bestätigung der „Silver“ Gruppe erfolgt prompt. Alle lächeln.

Eigenarbeit Glaubensätze

Alleine geht es dann für die TeilnehmerInnen nochmal an die eigenen Glaubenssätze. Sie haben eine Woche Zeit in sich hinein zu spüren, herauszufinden was für Glaubenssätze eine hemmende Wirkung entfalten und ihr Leben unterbewusst und maßgeblich mitbestimmen.

Martina wählt den umgedrehten Weg und fragt sich was sie erreichen möchte, was sie braucht, wie sie gesehen werden möchte.

„Mich muss nicht jeder mögen“ sagt sie, „das ist für mich der NEUE Glaubenssatz, der mir meine Freiheit schenkt. Better by Art hat mir den Blick geöffnet, wo ich mir selbst im Wege stehe und was alles möglich ist. Eine ganz andere und neue Sicht auf mich selbst und was ich dafür tun kann, um mir mehr Zufriedenheit zu verschaffen.“

Sie wirkt befreit und küsst einen ihrer noch kleinen Jungs, der sich heimlich zu ihr an den Schreibtisch geschlichen hat.